Fatale Begierde...

Raucherinnen erkranken immer häufiger an Lungenkrebs

Von Diagnose ist praktisch nicht zu sprechen. Es ist ein Urteil: "Sie haben Lungenkrebs!"
Schon seit Jahren zittern viele Männer vor dieser Aussage,
wenn sie wegen lang anhaltender Atembeschwerden und häufigem Teerhusten meist
viel zu spät zur Sprechstunde gehen. Doch mit der Gleichberechtigung der Frauen ist
die bisher zumeist "männliche Krankheit" auch auf das weibliche Geschlecht übergegangen.

Eine Woche vor der internationalen Konferenz und der Podiumsdiskussion am 28. und 29. Oktober zum Thema "Frauen, Leben und Krebs - Chancen für die Prävention" in Frankfurt sind die aktuellen Zahlen
alarmierend. "Die Zunahme von Lungenkrebserkrankungen bei Frauen ist dramatisch",
sagt Volker Beck von der Deutschen Krebsgesellschaft.

Zunahme um 150 Prozent

Obwohl die Zahl der Krebsneuerkrankungen bei Frauen insgesamt in 1995 - dies sind die aktuellsten
verfügbaren Zahlen - gegenüber 1993 zurückging, stiegen die Werte von Lungenkrebs bei Frauen an.
Dies steht auch dem positiven Trend bei der gleichen Erkrankung bei den Männern entgegen, so die Angaben des Robert Koch Instituts.

Der Berufsverband der Frauenärzte liefert eine andere, düstere Zahl: Die Häufigkeit der Todesursache Lungenkrebs bei Frauen hat in den letzten Jahren um 150 Prozent zugenommen. Ähnliche Zahlen werden auch am kommenden Montag bei der Präsentation des neuen Krebsatlas vor der Öffentlichkeit ausgebreitet.

Die Ursache ist für die Experten eindeutig: Das Rauchen, besonders von Zigaretten.
Und jeder einzelne "Lungentorpedo" erhöht nach wissenschaftlichen Untersuchungen
das Risiko auf eine Lungenkrebserkrankung erheblich.

Das hat auch der größte Tabakkonzern der Welt, Philipp Morris, einsehen müssen,
der nach einem Gerichtsurteil eine enorme Summe zur Bekämpfung der Folgen
des Rauchens an einen US-Bundesstaat zahlen mußte. Völlig überzeugt von der
Ursache-Wirkung-Kette wird das Unternehmen jedoch erst sein, wenn auch eigene
Forschungen die in der übrigen Welt längst erwiesene Tatsache nachweisen.
Erst dann soll die Produktion von Zigaretten eingestellt werden, einstweilen jedoch
wird weiter kräftig auf Kosten der Gesundheit kassiert.

Vom Passivraucher zum Qualmer
Das weibliche Geschlecht hat auch beim Thema Rauchen nachgezogen. Im Zuge der Gleichberechtigung nahmen sich die Frauen auch der negativen Gewohnheiten ihrer männlichen Pendants an und wechselten mehr und mehr die Fronten - vom passiven Mitraucher zum selbst aktiven "Qualmer". Besonders gravierend ist dabei der frühe Einstieg. Häufig beginnen die Mädchen schon im Teenageralter, es den Jungen gleichzutun - und genau das ist besonders schädlich. Prof. Peter Drings von der Thoraxklinik der Landesversicherungsanstalt Baden in Heidelberg kommt nach ausführlichen Forschungen zu dem Schluß: "Das frühzeitige Beginnen des Rauchens führte in den letzten Jahren zu einer Verschiebung des Alters der Lungenkrebspatienten in immer jüngere Jahrgänge." Mut machen kann Peter Drings, gleichzeitig Generalsekretär der in Frankfurt ansässigen Deutschen Krebsgesellschaft , nur in einer anderen Hinsicht. "Es ist wichtig, daß sich das Lungenkrebsrisiko nach Entwöhnung vom Zigarettenrauchen wieder vermindert und nach mehreren Jahren dem der Allgemeinbevölkerung angleicht." Ex-Raucher erreichen im Vergleich zu permanenten Rauchern eine Verminderung des Risikos um 20 bis 90 Prozent. Drings weist auch darauf hin, daß sich das Risiko der Raucher bei einer zusätzlichen Umgebung am Arbeitsplatz mit krebsfördernden Stoffen wie Asbest oder Uran noch weiter verstärkt. Die Vermeidung des Rauchens scheint gerade beim Lungenkrebs die einzige Möglichkeit zu sein, sich gegen die todbringende Krankheit zu stemmen.

Aufgrund der aufwendigen Untersuchungsmethode ist Lungenkrebs nicht in die normalen Früherkennungsuntersuchungen aufgenommen.
Untersucht wird erst, wenn ein begründeter Verdacht auf eine Erkrankung besteht - doch dann ist es meist zu spät. Denn die Heilungschancen im fortgeschrittenen Stadium sind im Vergleich zur früh erkannten Krankheit deutlich geringer. Und gerade der Lungenkrebs weist erschreckende Fakten beim Thema Erfolg durch Behandlung auf. Nur zehn Prozent der Erkrankten haben nach der Diagnose noch eine Lebenserwartung von über fünf Jahren. Selbst die einjährige Überlebensrate rangiert bei nur 37 Prozent - oder härter ausgedrückt: Fast zwei Drittel aller Lungenkrebspatienten sterben innerhalb der ersten zwölf Monate nach Feststellung ihrer Krankheit. Noch hat die Wissenschaft trotz intensiver Forschungen kein Mittel gegen den Krebs - nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache in Deutschland - gefunden.

Harald Strier

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